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Mittwoch, 20. Mai 2009

Scharfe Konkurrenz für Stiftung Warentest

 

Die Stiftung Warentest hat im Jahr 2008 deutlich weniger Einnahmen erzielt als im Vorjahr. Auch die Verkaufszahlen von „Test“ und „Finanztest“ gingen zurück. Nur die Abrufzahlen im Internet steigen.

Haben die Medien durch immer mehr Service-Berichterstattung den jahrelang konkurrenzlos daherkommenden Berichten und Magazinen der Stiftung Warentest das Wasser abgegraben? Bei der jährlichen Bilanz der Stiftung am gestrigen Dienstag gaben die Verantwortlichen eher der Finanzkrise die Schuld. Diese sei an der Stiftung „nicht spurlos vorübergegangen“, ließ die Stiftung in einer Presserklärung verlauten.

Das Jahresergebnis 2008 der Stiftung betrug 870.000 Euro, im Vorjahr waren es noch zwei Millionen Euro gewesen. Vorstand Werner Brinkmann freute sich auf der Jahrespressekonferenz in Berlin immerhin noch, dass kein Verlust zu vermelden gewesen ist.

Auch den Rückgang der Leserzahlen der Zeitschriften versucht man hier, positiv zu sehen: Bei Test habe sich der Rückgang der Abonnements verlangsamt, hieß es. Monatlich gehen noch rund 437.000 (2007: 446.000) Hefte an Abonnenten, am Kiosk kommen dazu im Durchschnitt zusätzlich 90.000 Hefte und damit 3.000 weniger als 2007. Bei der Schwesterzeitschrift Finanztest (208.000 Abonnenten, 1.000 mehr als im Vorjahr) sanken die Verkaufszahlen am Kiosk um 7.300 Hefte im Monat auf 57.000. Beide Zeitschriften zusammen kommen auf eine verkaufte Monatsauflage von 792.000.

Die Recherche der Kunden verlagert sich anscheinend zunehmend ins Internet. Hier gab es bei der Stiftung 26,6 Millionen Besucher (Vorjahr: 23,5 Millionen) mit fast 180 (176) Millionen Seitenaufrufen. Auf der Website gibt es verschiedene Produktdatenbanken, in denen Testergebnisse abrufbar sind; eine Datenbank mit Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen soll folgen.

Mit 280 Untersuchungen wurden 2008 auch weniger Tests durchgeführt als im Vorjahr. 2007 waren es 295. Es wurden dafür aber mehr Produkte untersucht: 2.412 Produkte (Vorjahr: 2.157).

Brinkmann zeigt sich über die mangelnde Wahrnehmung der Stiftung gerade in Zeiten der Krise verwundert. Politiker forderten einen „Finanz-TÜV“, den es aber mit der Stiftung längst gebe, sagte er. In seiner Jahresbilanz hob er eine Untersuchung von Apotheken hervor, bei der über die Hälfte mit „mangelhaft“ beurteilt wurden. Dieser sei von den Medien stark beachtet worden. Erfreulich sei die Reaktion der Apothekerverbände gewesen: Sie kennten die Beratungsprobleme und würden sich um Verbesserung bemühen.

Auch in Rechtsstreitigkeiten behielt man die Oberhand: So gewann man in Sachen Faber-Castell und im Streit mit der Andechser Molkerei Scheitz. Im ersten Fall fand die Stiftung in zwei Buntstiften Schadstoffe. Im zweiten Fall ging es um Sauerrahmbutter mit einer zu geringen Anzahl von Milchsäurebakterien.

Nicht nur immer mehr Nutzwertartikel machen der Stiftung zu schaffen. Auch andere Organisationen trommeln mittlerweile oft lauter: So kümmert sich Foodwatch um Lebensmittel, Ökotest prüft auf Umweltverträglichkeit und Schadstoffe, die Zeitschrift Guter Rat versorgt die Ostverbraucher. Auch Greenpeace mischt mit. Dazu kommen viele Vergleichsplattformen im Netz wie verivox.de oder biallo.de; Meinungsportale wie Ciao.de wollen mit Service Geld verdienen. Und das Internet generell bietet mittlerweile eine Überfülle an Serviceinformationen und Kundenrezensionen von Produkten. (jok)


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