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Dienstag, 20. Oktober 2009

Tatort über Ratgeberzeitschriften: „Scheiß, Kram“

 

Nutzwert ist „Scheiß“, sagt der Verleger

Die Deutschen haben eine schlechte Meinung von Journalisten; sie rangiert irgendwo zwischen Gebrauchtwagenverkäufern und Politikern. Der Münchener Tatort „Um jeden Preis“ vom vergangenen Sonntag dürfte dieses Bild weiter verschlechtert haben. 7,24 Millionen Zuschauer hörten die Kommissare sagen, die „Schmierfinken“ von der Presse seien „gierig wie die Schmeißfliegen“, die alkoholsuchtkranke Redakteurin der örtlichen Boulevardzeitung bot Polizisten Bestechungsgelder an, und ein Gewerkschaftsfunktionär hält Fernsehreportern vor laufenden Kameras einen „absoluter Tiefpunkt Ihrer Berichterstattung“ vor. Die Pressekonferenz im Film lässt der preisgekrönte Drehbuchautor Christian Jeltsch live von Phoenix übertragen, dem Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF. Letztlich gibt die Boulevardredakteurin zwischen zwei Schnäpsen den Kommissaren Batic und Leitmayr einen Ermittlungshinweis, jedoch nicht ohne eine Gegenleistung einzufordern.

Auch der Verleger im Film bedient das Klischee vom von guten und schlechten Journalismus. Um „besten investigativen Journalismus“, „sauber recherchiert, glasklar formuliert“ zu ermöglichen, müsse er ihn durch Ratgebermagazine querfinanzieren: „Ich kann mir das auch nur leisten, weil ich den anderen Scheiß da verlege: Computertests, Ratgeberpostillen, Do-it-yourself-Kram. Dafür geben die Leute ihr gutes Geld aus.“

Meinung: Die künstlerische Freiheit erlaubt es, das Geschehen überspitzt darzustellen, dieser Tatort zeichnet jedoch ein einseitig düsteres Bild vom Journalismus. (ek)


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