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Donnerstag, 11. März 2010

Finanzkrise: journalistisches Versagen und zunehmend Nutzwert

 

Die weltweite Krise des Finanzmarktes habe eine Krise der Wirtschaftsberichterstattung mit eklatantem journalistischem Versagen ausgelöst. Zu diesem Schluss kommt die diese Woche veröffentlichte Studie (pdf, 6,5 MB) „Wirtschaftsjournalismus in der Krise“ der Otto-Brenner-Stiftung der IG Metall. Im Mittelpunkt des journalistischen Interesses hätten die Finanzmärkte selbst, das Schicksal einzelner Unternehmen und die Nutzwertinformation für das Publikum gestanden. Der politische Teil der Entwicklung und ihre Rolle für Gesellschaft und Wirtschaft seien nicht betrachtet worden.

Die Studie der Autoren Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz zeigt auch ein Dilemma auf, in dem sich tagesaktuelle Medien befinden. Einerseits sei die Aufmerksamkeit des Publikums nur zu gewinnen, wenn die Wirtschaftsberichterstattung auf den individuellen Nutzen der Leser zugeschnitten ist. Andererseits verhindere ein starker Fokus auf den Nutzwertjournalismus, dass die Medien gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme analysieren.

Während die Redaktionen überregionaler Tageszeitungen Wirtschaft durchaus als politisches und gesellschaftliches Thema bearbeiten, konzentrieren sich Regionalzeitungen auf Ergebnisse und Konsequenzen für Verbraucher, sagt Medienwissenschaftler Klaus Spachmann dazu. Kleinen Redaktionen fehlten die Ressourcen, außerdem seien im Vergleich zu eigenrecherchierten Berichten „Nutzwert-Geschichten journalistisch einfacher, zumindest ohne großes Risiko umzusetzen“.

Die Autoren werfen der Redaktion von Tagesschau/Tagesthemen ARD-Aktuell sowie dem Basisdienst der Nachrichtenagentur dpa fehlende Orientierungsleistung vor und dass sie im Laufe der Krise keine Sachkompetenz aufgebaut oder kritische Distanz gewonnen hätten. Der Mainzer Journalistik-Professor Volker Wolff leitet aus seinem persönlichen Eindruck ab, dass das Agenturgeschäft das Nachdenken mehr oder minder verbiete und bei den Agenturen eine kritische Auseinandersetzung nicht stattgefunden hätte. dpa spricht dagegen von „falschen und irreführenden Behauptungen“ und einer zu kleinen Stichprobe untersuchter Berichte in der Studie.

Die Studie schließt mit der Vermutung, dass die Publikumsnachfrage nach Informationen über die persönliche wirtschaftliche und finanzielle Absicherung jedes Einzelnen noch stärker als bisher zunehmen und den Nutzwertjournalismus bestätigen und forcieren wird. (ek)


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