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„Ich war auf der Suche nach neuen Herausforderungen“


Sie hat den Journalismus von der Pike auf gelernt, ist mittlerweile über 40, dabei jung geblieben. Nun wechselte sie von einer etablierten Kulturredaktion in die Redaktion eines Verbrauchermagazins, und es stellt sich die Frage: Warum? Von der Kultur zum Service – da mögen vielleicht einige Kollegen die Nase rümpfen. Und weil die Gespräche über eine öffentlich-rechtlichen Anstalt manchmal auch schädlich sein können, möchte sie hier nicht erkannt werden. Das Interview führte Tina Kießling.

Blickpunkt: Wie lange arbeitest du bereits bei diesem Sender, und wie war dein Werdegang bis dahin?

Redakteurin: Angefangen habe ich mit Artikeln für die Lokalzeitung, damals während meines Abiturs. Ganz klassisch vom Kaninchenzüchterverein bis zur Buchrezensionen. Parallel zu meinem Magisterstudium in Germanistik, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte habe ich als  Freie für den privaten Hörfunk gearbeitet, mit einem breiten Spektrum von der Gerichtsreportage bis zur Literaturkritik. 1996 wechselte ich dann vom Hörfunk ins Fernsehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – zunächst als Reporterin für Aktuelles im WDR-Fernsehen und bei Arte. 2001 habe ich schließlich mein Volontariat absolviert. Es folgte in den Jahren 2003 bis 2008 eine Stelle als Redakteurin für Kulturberichterstattung im WDR-Fernsehen. Seit 2009 bin ich Redakteurin für verschiedene Ratgebersendungen im WDR-Fernsehen.

Warum hast du dich entschieden, in eine Service-Redaktion zu wechseln?

Ich war auf der Suche nach neuen Herausforderungen, zudem war die ausgeschriebene Stelle recht attraktiv: Sie stellte mir mehr Eigenverantwortlichkeit und Betreuung langer Formate in Aussicht.

Wenn du zurückblickst auf die Kulturredaktion, was hat sich für dich verändert?

Wir arbeiten sehr viel mit Dokusoap- bzw. Reportageelementen. Das kommt gut an – vor allem bei den jüngeren Zuschauern. Im Mittelpunkt stehen meist Menschen, die ein Problem haben, gehabt haben oder Coaches bzw. Experten, die Hausbesuche machen, Hilfestellung geben oder einen Blick hinter die Kulissen gewähren. So sind wir viel näher an den Menschen dran. In der Kultur war die Beitragsgestaltung artifizieller, der Anteil an Archivbildern größer.

Hat sich für dich etwas in Bezug auf den Umgang mit den Autoren geändert?

Nicht wirklich. Für beide Redaktionen gilt: Es gibt Themenvorschläge von Autoren sowie Themenvergabe durch die Redaktion. Nach der Recherche wird ein Exposé geschrieben, das die Rechercheergebnisse zusammenfasst und die Kernthese des Beitrags enthält. Dann wird ein ausführliches Treatment geschrieben und besprochen: Wie sieht der Film aus, wie die Dramaturgie? Es folgen Dreh, Schnitt, Bildabnahme, Textabnahme, Sprachaufnahme und Mischung.

Wie unterscheiden sich beide Redaktionen für dich konkret?

Die Kultur arbeitet stärker im Team. Die Eigenverantwortlichkeiten für die einzelnen Sendungen sind derzeit im Bereich „Service und Ratgeber“ größer. Und es gibt im Vergleich zur Kulturredaktion mehr Reportageplätze für 30 Minuten. 

Kannst du dir unter dem Begriff Nutzwert“ etwas vorstellen, wenn ja, was? Oder vielleicht Service“? Wie würdest du das für dich, aus deiner Alltagssituation definieren?

Was ich mir darunter vorstelle? Das kann ich nur aus der Praxis beschreiben: Wir geben Orientierungshilfe, Rat, Aufklärung und Hilfe zur Selbsthilfe. Und wir warnen auch vor zum Beispiel Betrug, Abzocke et cetera. Bei uns erhält der Zuschauer praktische Tipps für seinen Alltag.

Wie hat dein Umfeld auf den Wechsel reagiert?

Da gab es eigentlich keine großen Reaktionen. Und ich bin in der neuen Redaktion sehr offen und herzlich aufgenommen worden.

Hat sich deine Selbstsicht als Journalistin womöglich geändert? Wenn ja, wie?

Nein, das kann ich nicht sagen – nur die Inhalte haben sich verändert.

Bereust du diesen Schritt? Würdest du es wieder tun?

Jederzeit!  (26.02.2010)

außerdem in der Rubrik „nachgefragt“





Der WDR produziert eine Reihe von Ratgeberformaten im Fernsehen, darunter die „Servicezeit“-Sendungen, das Coaching-Format „Der Große Finanz-Check“ und das Verbrauchermagazin „markt“.

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